Bundesliga-Trainer sehen WM-Viertelfinale für Österreich im Bereich des Möglichen
WIEN, 29. Mai 2026
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Summary
Eine Umfrage unter den zwölf Trainern der abgelaufenen Bundesliga-Saison zeigt großen Optimismus für die österreichische Nationalmannschaft bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft. Das Erreichen der K.o.-Phase gilt als erklärtes Ziel, viele halten sogar den Einzug ins Viertelfinale für realistisch.
Die zwölf Cheftrainer der österreichischen Fußball-Bundesliga trauen der Nationalmannschaft bei der am 11. Juni beginnenden Weltmeisterschaft mehrheitlich den Einzug in die K.o.-Phase zu, wobei zahlreiche Übungsleiter sogar das Viertelfinale als realistisches Ziel nennen.
In einer von der APA durchgeführten Umfrage beantworteten die Trainer sechs Fragen zu den Erwartungen an das ÖFB-Team, der Stärke des aktuellen Kaders, der Definition von Erfolg, dem Turnierfavoriten, der WM-Aufstockung auf 48 Teams und den möglichen Auswirkungen der politischen Lage auf das Turnier. Das Meinungsbild zeichnet sich durch eine breite Zuversicht in die sportliche Leistungsfähigkeit der Mannschaft aus, wenngleich die Einschätzungen zum neuen Modus und zu politischen Einflüssen auseinandergehen.
Die Erwartungen an das Nationalteam
Die Prognosen der Trainer für das Abschneiden Österreichs fallen überwiegend optimistisch aus. Dietmar Kühbauer, Trainer des LASK, erklärte: "Der Nationalmannschaft ist einiges zuzutrauen. Ich wünsche der Mannschaft nur das Beste und hoffe, dass sie so weit wie möglich kommt." Noch konkreter wurde Daniel Beichler von Red Bull Salzburg, der dem Team zutraut, "dass sie bis ins Viertelfinale vorstoßen kann". Auch Thomas Silberberger, Trainer des WAC, antwortete auf die Frage nach dem möglichen Abschneiden knapp mit "Viertelfinale".
Ognjen Zaric vom SCR Altach sieht die K.o.-Runde als "absolut machbar" an und fügte hinzu: "Wenn das Team einen Lauf bekommt, ist mit ein wenig Fortune sogar der Einzug ins Viertelfinale realistisch." Philipp Semlic von der WSG Tirol zeigte sich überzeugt, "dass wir gute Chancen haben, als eines der Überraschungsteams des Turniers wahrgenommen zu werden". Maximilian Senft von SV Ried brachte die Stimmungslage pointiert auf den Punkt: "Ich traue unserem Nationalteam alles zu, wenn wir in einen guten Flow kommen." Zugleich räumte er ein: "Zu 100 Prozent sicher bin ich mir aber leider nicht."
Ferdinand Feldhofer vom GAK verwies auf die Unwägbarkeiten des neuen Formats: "Ich denke, dass es unter normalen Umständen auf jeden Fall für die K.-o.-Phase reichen wird. Wie weit es danach geht, hängt natürlich auch davon ab, in welchem Zweig man landet, was durch den neuen Modus nicht mehr so vorhersehbar ist." Manfred Schmid von TSV Hartberg mahnte zur Vorsicht und erinnerte an vergangene Turniere: "Der Anspruch muss sein, dass wir in dieser Gruppe weiterkommen. Erinnern wir uns an die EURO, wo uns alle schon im Viertelfinale gesehen haben und dann kam die Türkei."
Die Qualität des aktuellen Kaders
Bei der Frage, ob es sich bei der aktuellen Mannschaft um das stärkste ÖFB-Team seit vielen Jahren handle, herrschte unter den Trainern weitgehend Einigkeit. Fabio Ingolitsch von Sturm Graz befand: "Für mich ist es das leistungsstärkste Nationalteam, seitdem ich den Fußball intensiv verfolge." Daniel Beichler begründete seine Zustimmung mit der Ausgeglichenheit des Kaders: "Ja, weil wir auf nahezu allen Positionen sehr gut besetzt sind – in der Spitze sowie auch in der Breite. Darüber hinaus hat man das Gefühl, dass es einen sehr guten Teamspirit gibt, was für so ein Turnier ein zusätzliches Plus ist."
Stephan Helm von FK Austria Wien verwies auf die Vereinszugehörigkeiten der Nationalspieler: "Wenn man schaut, wo die aktuellen Nationalteamspieler aktiv sind, kann man aber mit Sicherheit sagen, dass wir eines der stärksten Teams in der Geschichte haben." Ognjen Zaric hob zwei zentrale Aspekte hervor: "Wahrscheinlich ja, weil eine sehr hohe Anzahl an Spielern eine einheitliche Spielidee verfolgt und zum anderen sehr viele Spieler in internationalen Top-Ligen unterwegs sind."
Maximilian Senft zog einen Vergleich zu einer prägenden Mannschaft seiner Jugend: "Ich verbinde große Gefühle mit unserer Mannschaft 1998, die meine Kindheit geprägt hat und denke, dass die aktuelle Mannschaft qualitativ mit diesem Team mithalten kann." Michael Köllner von Blau-Weiß Linz hingegen zeigte sich zurückhaltender: "Diese Vergleiche finde ich nicht seriös und irgendwie auch abwertend gegenüber den früheren Teams, die zum Beispiel bei den letzten beiden Europameisterschaften jeweils ins Achtelfinale einzogen." Manfred Schmid verwies auf die Ära unter Teamchef Marcel Koller: "Ich denke, dass wir vor ein paar Jahren unter Teamchef Koller mit unseren Führungsspielern Alaba, Arnautovic, Baumgartlinger, Junuzovic im besten Alter schon eine sehr gute Mannschaft hatten. Welche Mannschaft davon die Beste ist, ist für mich schwer zu beurteilen."
Die Definition von Erfolg und der Turniermodus
Die Frage, ab welcher Runde die WM als Erfolg zu werten sei, beantworteten die Trainer differenziert. Für Ferdinand Feldhofer liegt die Messlatte klar beim Viertelfinale: "Meiner Meinung nach wäre alles ab dem Erreichen des Viertelfinales ein Erfolg. Die K.-o.-Phase müsste, wie gesagt, machbar sein, und mit den richtigen Gegnern kann es dann auch weit gehen." Thomas Silberberger setzte die Marke etwas niedriger an: "Ich glaube, die Gruppenphase sollten wir überstehen, dann ist es schon ein Erfolg. Ab dann kann vieles passieren."
Maximilian Senft betonte die emotionale Komponente: "Wenn unser Team eine gute Stimmung im Land entfachen kann, wäre das für mich bereits ein großer Erfolg. Wenn man es an Ergebnissen festmachen will, dann würde ich das Viertelfinale nennen." Ognjen Zaric erinnerte an die grundsätzliche Bedeutung der Teilnahme: "Man muss die Kirche im Dorf lassen: Da Österreich seit langer Zeit wieder auf der ganz großen Weltbühne vertreten ist, ist allein die Teilnahme ein Meilenstein. Alles, was danach kommt, wäre die Kür."
Die Aufstockung des Teilnehmerfeldes auf 48 Nationen stieß bei den meisten Trainern auf Skepsis. Thomas Silberberger sagte: "Ich kann mich noch erinnern, wo die Weltmeisterschaft mit 16 Mannschaften durchgeführt worden ist. Ich halte nicht viel davon, weil ich schon sage, dass bei einer Weltmeisterschaft, die alle vier Jahre stattfindet, nur die besten, maximal 24 Teams der Welt aufeinandertreffen sollten und nicht 48. Weil da sind sicher nicht die weltbesten Nationen dabei." Ferdinand Feldhofer nannte die Reform "etwas zu aufgeblasen. Die WM hätte man auch bei 32 Nationen belassen können." Philipp Semlic äußerte den Verdacht, dass kommerzielle Interessen im Vordergrund stünden: "Durch mehr Spiele werden mehr Werbeflächen geboten – das ist meiner Meinung nach die Triebfeder dahinter und nicht der sportliche Aspekt." Einzig Ognjen Zaric plädierte für Offenheit: "Man sollte dem neuen Format mit 48 Teams zuerst eine Chance geben, anstatt es im Voraus zu verurteilen. Erst nach dem Turnier werden wir wirklich beurteilen können, wie sich der neue Modus auf die Qualität und die Spannung auswirkt."
Die Favoriten und die Rolle der Politik
Bei der Frage nach dem Topfavoriten auf den WM-Titel kristallisierten sich zwei Mannschaften heraus. Frankreich wurde von den meisten Trainern genannt, darunter Fabio Ingolitsch: "Frankreich hat eine unglaubliche Auswahl an Spielern und ist für mich der Topfavorit." Daniel Beichler pflichtete bei: "Schwierig zu beantworten, aber aufgrund des insgesamt wohl besten Kaders denke ich, dass Frankreich das Rennen machen wird." Spanien nannten unter anderem Ferdinand Feldhofer, Stephan Helm und Manfred Schmid als Favoriten.
WM 2026: Österreichs Trainer trauen Team Viertelfinale zu | actualites360