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Leichter Rückgang der Firmenpleiten in Österreich: KSV1870 meldet 3.401 Insolvenzen im ersten Halbjahr 2026
Wien, 17 Juni 2026
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Im ersten Halbjahr 2026 sind in Österreich 3.401 Unternehmen insolvent geworden, 2,6 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, wie der…
Wien, 17 Juni 2026
Im ersten Halbjahr 2026 sind in Österreich 3.401 Unternehmen insolvent geworden, 2,6 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, wie der Gläubigerschutzverband KSV1870 am Mittwoch in Wien bekanntgab.
Trotz des leichten Rückgangs bleibt die Zahl der Firmenpleiten laut KSV1870 auf einem unverändert hohen Niveau, das in der Vergangenheit nur selten verzeichnet wurde. Karl-Heinz Götze, Leiter der Insolvenzabteilung des KSV1870, erklärte: "Der leichte Rückgang ist ein positives Signal, dennoch bleibt die Zahl der Firmenpleiten auf einem unverändert hohen Niveau, das auch in der Vergangenheit nur selten verzeichnet wurde." Götze betonte zugleich: "Für die kommenden Monate rechnen wir als KSV1870 mit einer ähnlichen Entwicklung wie zuletzt."
Weniger Großinsolvenzen, aber Signa-Fall bleibt dominierend
Die vorläufigen Verbindlichkeiten der insolventen Unternehmen summieren sich auf rund 4,2 Milliarden Euro, ein Minus von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Großinsolvenzen mit Passiva von mindestens 50 Millionen Euro wurden nur sechs verzeichnet, im Vorjahr waren es noch 14. Die größte Einzelinsolvenz des bisherigen Jahres betrifft die Laura Privatstiftung aus dem Signa-Imperium von René Benko mit Schulden von rund 1,7 Milliarden Euro.
Die drei Branchen Handel, Baugewerbe und Gastronomie/Beherbergung stellten mit zusammen 44 Prozent die Hauptinsolvenztreiber. Der Handel verzeichnete 553 Insolvenzen (-6,3 Prozent), das Baugewerbe 495 (-2,8 Prozent) und die Gastronomie 441 (+8,4 Prozent). Letztere ist damit der einzige der drei Spitzenreiter mit steigender Tendenz und auf Platz drei der betroffenen Branchen vorgerückt.
Gastronomie unter Druck – Handel und Bau leicht rückläufig
Die Gastronomiebranche leidet laut KSV1870 unter einer Kombination aus hohen Betriebskosten, Personalmangel und strukturellen Problemen. Götze führte dazu aus: "Hohe Betriebskosten, fehlendes Personal und strukturelle Probleme in Form von geringen Gewinnmargen sowie ein starker Konkurrenzkampf sind eine Mixtur, die für viele Betriebe nicht mehr zu stemmen ist." Hohe Energie- und Lebensmittelpreise, geringe Gewinnmargen und zurückgehende Konsumenten setzten viele Betriebe zusätzlich unter Druck.
Wien bleibt Hotspot, Vorarlberg mit stärkstem Anstieg
Auf regionaler Ebene entfielen 1.291 der 3.401 Firmeninsolvenzen auf Wien, was fast 38 Prozent der österreichischen Unternehmenspleiten entspricht. In der Bundeshauptstadt sank die Zahl im Vorjahresvergleich um 4,6 Prozent oder 62 Fälle. Pro Tag wurden in Wien durchschnittlich sieben Insolvenzen angemeldet. In Salzburg gingen die Insolvenzen um 18,5 Prozent auf 176 Fälle zurück, in Tirol sogar um 30,9 Prozent auf 152 Fälle – der stärkste Rückgang aller Bundesländer.
Den deutlichsten Anstieg verzeichnete Vorarlberg: Die Zahl der Firmenpleiten schnellte um 38,4 Prozent auf 101 Fälle nach oben. Damit ist Vorarlberg das einzige Bundesland mit einem zweistelligen prozentualen Zuwachs. Auch Oberösterreich (410, +5,4 Prozent), Kärnten (209, +6,1 Prozent) und die Steiermark (+2,6 Prozent) verzeichneten mehr Insolvenzen als im Vorjahreszeitraum. Burgenland verzeichnete einen Rückgang um 4,5 Prozent auf 105 Fälle.
Mehr nicht eröffnete Verfahren und steigende Gläubigerzahlen
Bundesweit sind im ersten Halbjahr 2026 rund 9.800 Arbeitnehmer von den Pleiten betroffen, ein Minus von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Gläubiger, die von Insolvenzen in Mitleidenschaft gezogen wurden, um 13 Prozent auf 23.500.
Eine auffällige Entwicklung zeigt sich bei den mangels Vermögen nicht eröffneten Verfahren: Im ersten Halbjahr waren es 1.414 Fälle, ein Plus von 7,3 Prozent. Bei fast jedem zweiten insolventen Wiener Unternehmen wurde gar kein Insolvenzverfahren eröffnet, weil nicht einmal mehr genug Vermögen vorhanden war, um die Gerichtskosten – die bei rund 4.000 Euro liegen – zu bezahlen. Götze warnte: "Je mehr solcher nicht eröffneten Verfahren vorliegen, desto schwieriger wird es auch für finanziell gesunde Unternehmen, ihre wirtschaftliche Stabilität langfristig zu halten."
Klassenkonkurs als mögliche Ursache verzögerter Anträge
Hintergrund dieser Entwicklung sind neue gesetzliche Regelungen, die seit Anfang des Jahres in Kraft sind. Im Rahmen des Betrugsbekämpfungsgesetzes wurde der sogenannte Klassenkonkurs wiedereingeführt. Experten vermuten, dass dadurch Gläubiger seltener Insolvenzanträge stellen und die Folge ist: "Unternehmen melden erst später oder zu spät Insolvenz an". In diesen Fällen, in denen kein Verfahren eröffnet wird, müssen Gläubiger die Verluste zur Gänze abschreiben.
Der KSV1870 geht davon aus, dass die Gesamtzahl der Firmenpleiten am Jahresende bei rund 6.800 liegen wird, in etwa auf Vorjahresniveau. Für das Gesamtjahr 2025 waren ebenfalls rund 6.800 Unternehmensinsolvenzen registriert worden. Götze ordnete ein: "Historisch betrachtet verlangsamt sich die Insolvenzdynamik im dritten Quartal regelmäßig, was auch auf die Ferien- und Urlaubszeit zurückzuführen ist." Zugleich schränkte er ein: "Ob das auch im heurigen Jahr der Fall sein wird, bleibt abzuwarten."
Ausblick: Jahresende wohl auf Vorjahresniveau
Der KSV1870 hatte die Entwicklung bereits im Vorfeld befürchtet und bietet sich für Gespräche über alternative Abwicklungsmodelle an – bisher ohne Erfolg. Der Verband rechnet deshalb nicht mit einer raschen Entspannung der Insolvenzlage in Österreich.
Insgesamt zeigt der Halbjahresvergleich einen leichten Rückgang der Verfahrenszahlen, gleichzeitig aber eine Verschiebung der Problemlage: Während bestimmte Branchen wie die Gastronomie unter wachsendem Druck stehen und einzelne Bundesländer wie Vorarlberg starke Zuwächse verzeichnen, deutet die steigende Zahl nicht eröffneter Verfahren auf wachsende Risiken für Gläubiger und die Stabilität des Wirtschaftsstandorts hin.